Die Schlagworte Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit sind zur Zeit in aller Munde- uns wird immer bewusster, dass wir nicht einfach so weiter machen können wie bisher, unseren Planeten und ander Völker nicht ungestraft immer weiter ausbeuten können- Klimawandel, Terror, drohende Ressourcenknappheit sind alltägliche Themen in den Nachrichten und rücken immer näher an unsere eigene Lebensrealität heran.  Industrie und Handel nutzen den Trend zum gesünder/fairer/veganer und ohne Gewissensbisse konsumieren und wir lassen uns gerne davon täuschen um unser Gewissen zu beruhigen. Wir schieben die Schuld für alles was schief läuft auf die Politik und die bösen Großkonzerne, dabei müssen wir begreifen, dass wir mitverantwortlich für alle diese Probleme sind. Unser verschwenderischer Lebensstil ist die Ursache für Lebensmittelüberproduktion, Klimawandel, Ressourcenverschwendung und die Ausbeutung anderer Völker. Doch wie können wir das alle umkehren? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir bei uns selbst anfangen müssen. Es sind nicht immer die großen und politischen Aktionen, sondern unser eigener Lebensstil  und kleine Änderungen, mit denen wir viel bewirken und ändern, und letztendlich auch Einfluss auf  Politik und Wirtschaft ausüben können. Es nützt nicht viel sich darüber aufzuregen, wieviele Lebensmittel weggeworfen werden, wenn man selbst in den Supermarkt geht und nur nach dem schönsten und größten Produkt greift und somit die Überproduktion unterstützt. Wir müssen uns fragen, was wir denn selbst beitragen können, um die Welt ein bisschen zu verbessern- ganz nach unserem Motto „Sei Du selbst die Veränderung die Du Dir wünschsst für die Welt“?

Mit der Bio Gemüse Kooperative versuchen wir, Lebensmittel und Ressourcenverschwendung und Verpackungswahnsinn entgegen zu wirken. Der Sinn hinter der Bio Gemüse Kooperative ist vor allem, dem was gerade am nächsten bei uns wächst und was in einer umweltverträglichen, biologischen und natürlichen Weise produziert wird, den Vorzug zu geben und auf die inneren Werte der Lebensmittel zu schauen. Ganz nebenbei sparen wir Ressourcen, Verpackungen, CO2 und Energie und versorgen Menschen aus unserer direkten Umgebung mit gesunden Lebensmitteln.

Einsatz gegen Lebensmittel- und Ressourcenverschwendung

„Die Europäische Kommission schätzt, dass in der EU pro Person und Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden. Das macht insgesamt 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. 53 % aller weggeworfenen Lebensmittel gehen dabei auf das Konto der privaten Haushalte. In einem durchschnittlichen Haushalt wird ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weggeworfen, vieles davon ungeöffnet. 30 % landen bei Landwirtschaft und Produzenten im Müll, 12 % in der Gastronomie und 5 % im Handel.“(https://www.muttererde.at/fakten/).

Uns ist es wichtig, auf solche Misstände aufmerksam zu machen und dagegen zu wirken. Das Konzept der Bio Gemüse Kooperative an sich hilft schon dabei, Lebensmittel- und Ressourcenverschwendung vorzubeugen, da wir Gemüse nur für die Anzahl der teilnehmenden Haushalte anbauen und somit Überproduktion vermeiden.Die Teilnehmer melden sich am Anfang eines Erntejahres bei uns an und geben mittels einem Vertrag ihr Versprechen ab, die Ernte regelmässig abzuholen. So wissen wir genau, wie viel wir produzieren müssen.

Unsere Karotten

In Supermärkte gelangt nur formschöne, große und gut aussehende Ware.  Weil die Konsumenten sich immer die schönsten und größten Produkte raussuchen und alles andere nicht verkauft werden kann, wird der Rest schon vorab von den Produzenten aussortiert und großteils weggeworfen. Bei uns kommen alle Karotten in die Erntekisten, auch die Zweibeinigen, Verformten und die Kleinen.  Ebenso gibt es bei uns auch kleine Kartoffeln, mit denen man sehr gut ganz schnelle tolle Beilagen oder einfache Hauptgerichte zaubern kann- denn es muss nicht lästig oder mehr Aufwand sein, mit den bei uns verfügbaren Lebensmitteln zu kochen.

Der sogenannte Earth Overshoot Day, der Tag, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen eines ganzen Jahres erschöpft hat, lag 2016 bereits am 8. August (http://www.overshootday.org/). Uns muss bewusst sein, dass der Preis für die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln, die Überproduktion und das Wegwerfen von Lebenmitteln ist und somit das Verschwenden von Ressourcen wie z.B. Wasser, Energie und Arbeitszeit bedeutet. Bei der Bio Gemüse Kooperative muss nichts weggeworfen werden, denn die  Teilnehmer bekommen  genau das, was gerade bei uns wächst und auch so wie es wächst. Sie übernehmen Verantwortung  und überlegen sich zu Hause, was sie daraus zubereiten wollen, bevor sie weitere Zutaten aus anderen Quellen kaufen.

Umstellung der Lebensgewohnheiten und bewusster leben

Sich beim Kochen und Essen nach dem Angebot zu richten, bedeutet für einige Teilnehmer der Bio Gemüse Kooperative anfänglich sicherlich eine Umstellung in ihren Lebensgewohnheiten. Mit dem zu kochen, was gerade bei uns verfügbar ist und nicht nach reinem Lustprinzip einzukaufen ist ungewohnt und wird in der heutigen Zeit von vielen als lästig oder gar als Einschränkung in der Entscheidungsfreiheit empfunden.  Zu Großmutters Zeiten war es noch normal zu essen, was man zur Verfügung hatte, für jeden Hobbygärtner ist es eine Selbstverständlichkeit und für die Umwelt und unsere CO2 Bilanz wäre es am Sinnvollsten. Niemand der sein eigenes Gemüse anbaut, käme auf die Idee, die mühsam gezogenen Zucchini oder den vor Schnecken verteidigten Salat wegzuwerfen, weil man gerade Lust auf was anderes hat- weil das was man selbst produziert einen höheren Wert für uns hat. Wer weiss, wie viel Arbeit dahinter steckt, wird sein Lebensmittel anders zu schätzen zu wissen und sicherlich nichts davon wegwerfen. Bis z.B. unsere Erdäpfel in den Erntekisten der Teilnehmer landen, haben wir jede einzelne Kartoffel mindestens fünfmal in der Hand: beim Vorkeimen, beim Legen, beim Ernten, beim Sortieren, beim Einfüllen. Vom Vorbereiten des Ackers über das Legen der Kartoffeln, Unkraut jäten, Käfer absammeln bis zur Ernte, bei der die Kartoffeln maschinell gerodet, d.h. aus dem Boden herausgegraben werden, und anschliessend von Hand aufgesammelt werden, steckt doch ganz schön viel Arbeit in den Kartoffeln. Da versteht sich natürlich von selbst, dass wir keine Kartoffeln wegwerfen- auch nicht die Kleinen. Und das möchten wir auch den Teilnehmern der Bio Gemüse Kooperative vermitteln.

unsere Kartoffeln Ditta und Laura
Kartoffeln in verschiedenen Größen

Qualität wird häufig mit dem Aussehen, der Sauberkeit und dem ständigen Angebot verwechselt. Viele Leute erzählen,  sie seien so „verwöhnt“ vom Supermarkt, dabei ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie nicht verwöhnt, sondern getäuscht sind. Getäuscht von glänzenden polierten Äpfeln, sauberen einheitlichen Karotten, vom dauerhaften Überangebot und psychologischen Tricks die in Supermärkten eingesetzt werden, um uns zum Kaufen zu animieren. Da werden Einkaufswägen so designed, dass die bereits im Wagen liegenden Produkte aus unserem Sichtfed verschwinden, Lebensmittel werden gezielt in Regalen platziert, Verpackungen  werden größer gemacht, um mehr Inhalt vorzugaukeln, die Gänge und Wege werden so angelegt, dass wir überall vorbei gehen müssen und vieles mehr. Da drängt sich doch unvermeidlich die Frage auf, ob wir in unseren Einkaufsentscheidungen eigentlich wirklich so frei sind, wie wir das glauben. Kurz- es geht wie immer um den Profit und wir lassen uns so leicht und gerne täuschen. Es ist uns zu lästig, uns genauer mit unseren Lebensmitteln und deren Produktion zu beschäftigen, für so etwas fehlt uns einfach die Zeit und auf dem Produkt steht ja „regional“ oder „natürlich“, damit können wir unser Gewisssen ganz schnell beruhigen und müssen nicht weiter darüber nachdenken.

Die Regionalitätslüge

Regionalität ist gerade der große Trend auf den natürlich  auch die Supermärkte aufspringen und mitfahren wollen, selbstverständlich um den Profit der mit diesem Trend zu machen ist, abzuschöpfen. Dabei wird häufig in die Trickkiste gegriffen. Mit dem Begriff Regionalität wird viel Schindluder getrieben, was auch leicht möglich ist, denn der Begriff ist keine geschützte Bezeichnung. Jeder kann seine Bedeutung von Regionalität für sich selbst definieren und sein Produkt „regional“ nennen. In Umfragen wurde ermittelt, was  Konsumenten mit einem regionalen Produkt verbinden bzw. was sie sich davon erwarten. Gute Qualität, Frische, Sicherheit und ein größeres Vertrauen in die Herstellung stehen dabei an oberster Stelle. Wir müssen aber wissen, dass ein Produkt nur weil es aus einer bestimmten Region stammt oder dort produziert wird, noch lange nicht automatisch gute Qualität und schon gar keine umweltverträgliche Produktion garantiert. Verbraucher sollten sich darüber bewusst sein und auch bei Waren die mit den Worten „regional“ oder „aus der Region“ bezeichnet sind, nochmal genauer prüfen, welche Regionalitätsdefinition bei dem jeweiligen Hersteller oder Supermarkt zum Einsatz kommt und was sie sich selbst von einem regionalen Produkt wünschen. Dabei kann man sich ganz einfach überlegen, was man sich  für die Region wünscht, in der man lebt. Spritzmittel, Überdüngung, Monokulturen oder biologisch bewirtschaftete Felder und Wiesen mit vielen Blüten für Insekten und Bienen und eine vielfältige Landschaft?

Wie ein Lebensmittel produziert wurde und ob es gerade Saison hat, sollte bei der Einkaufsentscheidung an erster Stelle stehen.

Mit der Bio Gemüse Kooperative haben wir beide Punkte abgedeckt: Das Gemüse wird biologisch produziert und die Verbraucher bekommen regionale und damit automatisch saisonale Ware. Vom Feld zum Lager sind es nicht  einmal fünf Minuten, die Teilnehmer stammen aus dem Dorf oder Nachbarorten.

Wir benutzen  keine Verpackungen, jeder Teilnehmer hat seine eigene Schüssel in der Salat und Mangold gewässert wird, und Gläser für die frischen Kräuter und Blumen. Das bedeutet für uns mehr Aufwand, ist uns aber lieber als Verpackungen zu verwenden.

 

Ringelblumen für die Bienen auf unserem Gemüsefeld
Ringelblumen für die Bienen auf unserem Gemüsefeld

Ein Umdenken muss stattfinden

Wenn wir alle unsere Einkaufs- und Kochgewohnheiten ein wenig umstellen- das bedeutet nicht, dass wir keine Bananen und im Winter keinen Salat mehr essen dürfen-sondern einfach so oft wie möglich dem den Vorzug geben, was wir an umweltverträglichen Produkten in der Nähe zur Verfügung haben, könnten wir ganz locker und nebenbei sehr viel CO2  und Energie sparen. Zusätzlich würden wir auch noch die Biolandwirtschaft in unserer Gegend unterstützen und somit die Biodiversität fördern, die Bienen schützen und unsere Landschaft in der wir leben positiv mitgestalten. Und wenn wir uns bewusst über die Hintergründe und über die manipulative Kraft von Werbung und der Industrie und Großkonzerne werden, Unterschiede schmecken, riechen, sehen und spüren, werden wir nicht mehr das Gefühl haben auf etwas zu verzichten, sondern wir werden wissen,  was wir gewinnen:

gesunde, umweltverträglich produzierte Lebensmittel und eine gesunde Umwelt.

 

 

 

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